18.07.2021

„Belohnung für jahrelange Arbeit"

Wie sein Trainingskollege und Freund Joshua Abuaku ist auch Luke Campbell seit der Schulzeit Leichtathlet. Nach den Teilnahmen an den Europa- und Weltmeisterschaften gipfelt seine Karriere nun bei Olympia.

Der Deutsch-Amerikaner Luke Campbell wuchs in den Vereinigten Staaten auf und durchlief dort das klassische Sportsystem. Die Liebe zum Sport entwickelte der 26-Jährige schon sehr früh. „Eigentlich hat es schon im Kindergarten angefangen“, erinnert er sich. „Ich war damals schon immer ein Wettkampftyp und wollte mich in allem messen“, lacht der Adlerträger. Zur Leichtathletik kam er durch seinen Trainer in der High-School. „Mein erster Coach hat mir damals schon gesagt, dass ich bei ihm trainieren solle. Ich habe zwar immer „Ja“ gesagt, war am Anfang aber nie da“, lacht der Eintrachtler. „Irgendwann hat er mir dann aber einen Tritt in der Allerwertesten verpasst und ich habe mich überwunden“, erzählt Campbell grinsend.

Auch die Begabung für die Hürdendisziplinen entdeckte sein amerikanischer Coach schon frühzeitig. „Ich hatte eigentlich keine Wahl“, gesteht der Frankfurter. „In meinem ersten Training sagte mein Coach sofort, dass ich aussehe, wie ein Hürdenläufer und von dort an war das meine Disziplin“, erinnert sich der Frankfurter. Sein Leichtathletik-Talent konnte Luke auch in der Uni weiter ausbilden und spezialisierte sich dort immer weiter auf die 400 Meter Hürden. „In der Uni hatte der Sport noch nicht denselben Stellenwert wie heute“, erklärt Luke und ergänzt: „Leichtathletik habe ich aber gemacht, weil es extrem viel Spaß gemacht hat und ich auch nicht das Talent für etwas anderes hatte“, gibt er schmunzelnd zu.

Doch nicht nur die Veranlagung spielte dabei eine Rolle. Auch der Wille, sich immer weiter zu verbessern und hauptverantwortlich für den eigenen Erfolg zu sein, prägten seine Liebe zur Leichtathletik. „Ich mochte es, hart für den Erfolg zu arbeiten und dann auch Verbesserungen an der eigenen Leistung sehen zu können und diese messbar zu machen“, erklärt er. Die Entwicklung des Deutsch-Amerikaners nahm eine steile Kurve und er verbesserte sich von Jahr zu Jahr am College zu einem echten Leistungsträger. „Ich habe nie damit gerechnet, Sport einmal hauptberuflich betreiben zu können. Aber als ich in den letzten Jahren an der Uni mich der 50 Sekundenmarke annäherte, wusste ich, dass ich das schaffen kann“, so der 26-Jährige.

Eintracht ein Bauchgefühl

Nach dem erfolgreichen Abschluss in den Fächern Sportwissenschaften und Psychologie am College, entschloss sich Luke 2017, nach Deutschland zu kommen und sich der Eintracht anzuschließen. „Ich habe mich bereits im letzten College-Jahr dazu entschlossen für Deutschland starten zu wollen und auch in Deutschland zu trainieren. Als ich dann 2017 herkam, gab es zwei mögliche Vereine, denen ich mich hätte anschließen können“, verrät Luke. Entscheidend für die Eintracht war insbesondere Campbells Bauchgefühl. „Ich wurde hier unglaublich herzlich empfangen und ich hatte dadurch auch ein sehr gutes Gefühl und keine Zweifel, dass es der richtige Schritt seine würde“, so der Hürdenspezialist. Besonders der erste Kontakt mit seinem heutigen Trainer Volker Beck bekräftigte seine Entscheidung. „Herr Beck hatte sich schon im Vorfeld genauestens mit mir auseinandergesetzt und detailliert dargestellt, wie wir gemeinsam über die Jahre erfolgreich zusammenarbeiten können. Das hat mich beeindruckt“, erzählt er.

Fortan startete Campbell für die Eintracht und konnte dabei einige Erfolge feiern. Unter anderem feierte der 26-Jährige über die Jahre zwei nationale Titel und konnte sowohl bei der EM 2018 als auch bei der WM 2019 das deutsche Team über die 400 Meter Hürden vertreten. Den einen besonderen Moment gebe es dabei nicht, resümiert Luke. „Ich habe so viele tolle Momente hier erlebt, da kann ich mich nicht entscheiden“, lacht Campbell. „Zweimal Deutscher Meister zu werden war ein super Gefühl aber auch der Support bei der Europameisterschaft 2018 war ein unbeschreibliches Erlebnis. Jetzt Olympionike zu sein ist natürlich auch nicht schlecht“, erzählt er grinsend.

Gemeinsames Highlight einer Leichtathletikfamilie

 Die diesjährigen Olympischen Spiele seien für ihn aus sportlicher Sicht das zwischenzeitliche Highlight einer langen Reise. „Ich habe durch meine gute Platzierung im Ranking schon damit gerechnet. Aber als es feststand war ich dann trotzdem unglaublich erleichtert und glücklich, dass ich nun Olympionike bin“, so der Frankfurter. Der Status eines Olympioniken ist für Campbell etwas ganz Besonderes. „Mich selbst so zu bezeichnen, ist ein wirklich krasses Gefühl. Ich denke, ich brauche noch Zeit, um das wirklich zu realisieren.“

Insbesondere sein Umfeld sei für Luke ein Hauptfaktore auf dem Weg nach Tokio gewesen. „Josh [Abuaku; Anm. d. Red.] und Herr Beck sind wie Familie für mich. Ich denke nicht, dass ich ohne beide jetzt hier stehen und bald nach Tokio fliegen würde“, erklärt er. Sein Trainingskollege Joshua Abuaku konnte ebenfalls die Nominierungsrichtlinien für die Olympischen Spiele erfüllen und so macht sich das Trio Beck, Campbell und Abuaku am Montag, 19. Juli, auf ihre gemeinsame Reise nach Tokio. „Es ist für uns alle die Belohnung für jahrelange harte Arbeit und es ist perfekt, diesen Moment jetzt gemeinsam erleben zu können.“

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