02.02.2021

„Die Leichtathletik bleibt immer mein Leben“

Sie ist in Lettland geboren und hat die deutsche Mittelstrecke geprägt. Nun hat Diana Sujew nach 15 Jahren Spitzensport ihre Karriere beendet und blickt zurück auf eine Zeit mit Höhen und Tiefen.

Diana Sujews größter Erfolg: die nachträgliche Anerkennung der EM-Silbermedaille 2012.

Begonnen hat alles in Frankfurt-Bonames. „Am Anfang war alles mehr zum Spaß”, erinnert sich die mittlerweile 30-Jährige zurück. Als Diana mit zwölf Jahren zur Leichtathletik kam, hätte sie wohl kaum geglaubt, wie der Sport sie und ihr Leben einmal prägen würde. Die Anfänge waren dabei alles andere als leicht. „Springen und Werfen konnte ich nicht so gut und superschnell war ich auch nicht”, lacht sie.

Von Beginn an an ihrer Seite ist ihre Zwillingsschwester Elina. Sowohl sportlich als auch menschlich sind die beiden unzertrennlich. „Man hatte immer eine Trainingspartnerin. Das ist sehr motivierend.” Eins ist klar: Bei so viel gemeinsamer Zeit muss die Geschwisterliebe groß sein. „Sie ist meine beste Freundin und meine Schwester”, sagt sie stolz und grinst da-bei so sehr, dass man ihr die Dankbarkeit aus dem Gesicht ablesen kann.

Nicht nur Zwillingsschwestern, sondern auch ehemalige Trainingspartnerinnen: Elina und Diana Sujew.

2007 kam die Karriere der beiden Geschwister bei ihrem damaligen Verein, dem TV Bad Vilbel, langsam ins Rollen. „Über den Langsprint kamen wir erst zum 800-Meter-Lauf und dann zur Mittelstrecke. Damals alles noch ohne spezifisches Training.” Keine ungewöhnliche Entwicklung für eine 1500-Meter-Läuferin. Ungewöhnlich waren dabei nur die Leistungen. Bereits ohne spezifisches Training erreichte Diana bei den damaligen Deutschen Jugendmeisterschaften den vierten Platz. Ein Erfolg, den sie damals überhaupt nicht einzuordnen wusste. „Ich habe mir darüber noch überhaupt keine Gedanken gemacht, Ich war noch sehr jung.”

Zu Beginn des Jahres 2006 wechselten die Geschwister zu Eintracht Frankfurt und Landestrainer Wolfgang Heinig. Der Durchbruch. Doppelsieg für Diana bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Sommer. „Ich habe zunächst über 2000 Meter Hindernis Gold geholt.“ Tags darauf folgte der Titel über die 1500 Meter. „Dabei waren meine Beine noch müde vom 2000-Meter-Rennen und ich war auch nicht als Favoritin gemeldet.” Doch auch über die 1500 Meter überquerte sie die Ziellinie vor allen anderen. „Das war schon ein krasser Moment, Doppel-Siegerin zu sein im Olympiastadion in Berlin.” Die Freude war groß, riesengroß. „Das war mein schönster Moment in der Jugend”, erzählt sie strahlend.

Mir war schon klar, dass ich wohl nie Gold bei Olympia holen werde, aber eine internationale Medaille gewonnen zu haben, ist für mich etwas ganz Besonderes.

Diana Sujew

Dianas schönster Moment bei den Aktiven hat das Potenzial zu einer Heldengeschichte. Leichtathletik-EM in Helsinki im Jahr 2012. In der europäischen Spitze gehörte Diana nicht zum Favoritenkreis. „Ich war damals einfach froh, mich für das Finale qualifiziert zu haben, und wollte das einfach genießen.” Und das tat sie auch. „Es war einfach ein geiles Rennen”, resümiert sie. Diana rannte vor bis auf Platz sechs. Ein Spitzenresultat. „Wenn man ins Ziel kommt und weiß, man hat etwas Großartiges geleistet, die eigenen Erwartungen bei Weitem übertroffen, ist das einfach schön.” Wie viel ihre damalige Leistung allerdings tatsächlich wert war, sollte sie erst Jahre später erfahren.

Mittlerweile wird Diana aufgrund von Dopingvergehen und nachträglichen Disqualifikationen ihrer Mitkonkurrentinnen als Vize-Europameisterin geführt. Ihr blieben dadurch die Ehrenrunde im Stadion und die Medaillenzeremonie bei den eigentlichen Wettkämpfen verwehrt. Trotzdem dominiert die Freude. „Im Nachhinein überwiegt der Stolz. Ich bin nicht traurig, ich hätte ja auch Achte werden können.” Der Konjunktiv ist allgemein nichts für sie. „Ich mag es nicht, in der Vergangenheit zu leben, man kann die Sachen sowieso nicht ändern. Wenn man sich die ganze Zeit Gedanken darüber macht, macht das nur den Kopf kaputt.” Am Ende stehen die Freude und der Erfolg. „Mir war schon klar, dass ich wohl nie Gold bei Olympia holen werde, aber eine internationale Medaille gewonnen zu haben, ist für mich etwas ganz Besonderes.”

Eine weitere Olympia-Teilnahme war auch in diesem Jahr ihr großes Ziel, doch der Körper macht nicht mehr mit. „Es war ein langer Prozess. Schon zu Beginn des Jahres 2019 gab es die ersten Probleme.” Nachdem ich seit langer Zeit Schmerzen an der Ferse hatte, habe ich mich im Juni 2019 entschieden, mich an der Ferse operieren zu lassen.” Zu dem Zeitpunkt keine einfache Entscheidung. „Ich wollte die Sommersaison noch machen und versuchen, mit zur WM nach Doha zu kommen. Das wäre dann aber mit der OP und Olympia sehr knapp geworden, deswegen habe ich mich entschieden, mich im Sommer operieren zu lassen.” Die Ausfallzeit, die der Eingriff mit sich brachte, war lang. „Acht Wochen konnte ich nicht trainieren. Schmerzfrei war ich erst nach sechs Monaten.”

Zwar wird Diana Sujew nicht mehr auf der Laufbahn zu sehen sein, der Leichtathletik bleibt sie aber dennoch erhalten.

Doch Diana kämpfte sich Stück für Stück zurück. „Im Januar 2020 hatte ich im Trainingslager in Südafrika eigentlich wieder ganz gut trainiert. Als ich zurückkam, hatte ich dann etwas an der Hüfte. Einfach so”, zuckt sie mit den Achseln. Es sollte nicht die letzte Verletzung bleiben. „Wir haben dann wieder aufgebaut und gut trainiert und Ende Mai kam dann die Wadenzerrung. Einfach so.” Achselzucken. Erneut das gleiche Prozedere. „Anfang September habe ich wieder angefangen, normal zu trainieren, und jetzt im Dezember folgte dann ein Muskelfaserriss im Adduktor.”  Das Ziel Olympia war durch die neue Verletzung wieder einen Schritt weiter entfernt. „Der Weg zurück wäre schon sehr lang geworden. Und die Wahrscheinlichkeit, mich für Tokio zu qualifizieren, sehr gering. Das war dann der Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob ich weitermache oder einfach ehrlich zu mir selber sein sollte.

Die Entscheidung aufzuhören war für Diana eine Entscheidung der Ehrlichkeit. „Ich habe mich im Spiegel angesehen und gefragt, ob ich es schaffe und bereit bin, nach der Leidenszeit, die ich hinter mir habe, noch einmal die Arbeit und den Willen aufzubringen, mich zurück zu kämpfen. „Die Antwort für Diana war ein klares ‚Nein‘. Und auch jetzt, einige Wochen später, hat sie ihre Entscheidung keine Sekunde bereut. „Es ist jetzt gut so. Ich bin 30 Jahre alt und froh, dass mich die Leichtathletik nicht so gefangen hat, dass ich nicht aufhören konnte.”

Jetzt zählen für Diana ihr Studium und ihre berufliche Karriere. Sie wird ihren Master im Studiengang „Controlling“ abschließen und in den nächsten Monaten eine Tätigkeit bei „Süwag“ als Werkstudentin aufnehmen. Der Leichtathletik bleibt sie aber erhalten. Als Fan wird sie bei Wettkämpfen nun ihre Freunde und Bekannten unterstützen, die sie in den 15 Jahren Leichtathletik begleitet haben. „Die Leichtathletik bleibt ja immer noch mein Leben!“

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