10.03.2021

„Einfach war es nicht“

Der Lockdown traf auch den Sport. Weitestgehend geschlossene Sportstätten, doch Mehrkämpferin Maira Gauges hat Mittel und Wege gefunden, um weiterhin zu trainieren.

Für Kaderathleten und -athletinnen fand am Wochenende das Highlight der Hallensaison statt: Die Europameisterschaften im polnischen Torun. Für viele nur ein Traum, allerdings nicht nur sportlicher Natur. Für einige war in diesem Winter an eine Hallensaison nicht einmal zu denken. Aufgrund der Corona-Bestimmungen des Landes Hessen sind nur Kaderathleten dazu berechtigt zu trainieren und müssen dabei strenge Hygienemaßnahmen beachten.

Diejenigen, die keinen Kaderstatus vorzuweisen haben, mussten Alternativen suchen – und wurden teilweise kreativ. Auch Siebenkämpferin Maira Gauges zählte in diesem Winter zu denen, die nicht an den „normalen“ Sportstätten trainieren durfte und hat mit uns über einen schwierigen Winter gesprochen.

Redaktion: Für die die dich nicht kennen, stell dich doch mal kurz vor.
Ich bin Maira Gauges und trainiere normalerweise bei Petra Schenten in der Trainingsgruppe. Ich bin Siebenkämpferin, vor allem liegt mit der Sprint. Abseits vom Sport studiere ich aktuell Maschinenbau an der TU Darmstadt.

Wie hast du vor dem Lockdown trainiert?
Normalerweise trainieren wir fünf oder auch sechs Mal pro Woche, also schon relativ häufig. Ich war allerdings letzten Sommer leider verletzt und konnte erst kurz vor dem Lockdown wieder ins Training einsteigen.

Was waren deine Ziele?
Vor dem Lockdown hatten meine Trainerin und ich das Ziel aufgestellt die 5.000-Punkte-Marke im Siebenkampf anzugreifen

Wie war das für dich, als du erfahren hast, dass du nicht mehr „normal“ trainieren kannst?
Einerseits hatte ich schon länger damit gerechnet, dass es irgendwann wieder so kommt, dass wir nicht mehr trainieren dürfen – wir kannten es ja bereits aus dem Frühjahr. Zumal man ja auch vermutet hat, dass Richtung Winter die zweite Welle kommen würde. Andererseits war es aber auch sehr frustrierend. Besonders, weil ich gerade erst wieder angefangen hatte voll und schmerzfrei zu trainieren. Noch dazu konnte man ja bereits erahnen, wie lange der Lockdown gehen könnte, weil der ganze Winter noch bevorstand. Ich wusste, dass es hart werden würde, den gesamten Winter draußen und vor allem alleine zu trainieren.

Wie hast du im Winter trainiert?
Wir haben von unserer Trainerin jede Woche einen Plan mit mehreren Einheiten bekommen, aber wir konnten natürlich auch viele Trainingsinhalte, die wir sonst gemeinsam absolvieren, wie beispielsweise Weitsprung oder Hürden, nicht machen. Deswegen war dieser Winter sehr von Lauf und Sprint geprägt. Außerdem habe ich dort, wo ich wohne, glücklicherweise einen kleinen Kraftraum und so konnte ich zumindest das Krafttraining einigermaßen normal absolvieren.

Wie ist die Kommunikation unter euch als Trainingsgruppe?
Ich habe ziemlich viele Mitbewohner hier in Darmstadt. Deswegen bin ich auch aktuell sehr vorsichtig und versuche außerhalb der Wohnung das Risiko so minimal wie möglich zu halten. Ich habe also auch die Mädels aus der Trainingsgruppe so gut wie nie gesehen. Das fehlt mir schon sehr. Immerhin habe ich eine sehr motivierte Mitbewohnerin (lacht), die fast jede Einheit mittrainiert hat, sogar die schlimmsten Tempoläufe. Jetzt, wo die Zahlen allerdings wieder langsam sinken, habe ich auch wieder mit einer Freundin aus der Trainingsgruppe trainieren können. Das hat mich wirklich sehr gefreut!

Wie war es für dich, als es so viel geschneit hat?
Schwierig (lacht). Als Schnee lag, habe ich erstmal versucht meine Läufe in Spikes auf der Bahn zu machen. Das hat aber leider nicht so geklappt, wie ich mir gewünscht habe. Ich bin mehr gerutscht als wirklich gelaufen. Ich habe dann versucht auf gestreute Wege oder Straßen umzusteigen, da die allerdings auch befahren waren, war das auch nicht wirklich optimal. Daher musste in der harten Winterzeit auch mal die ein oder andere Einheit ausfallen, da es mit Schnee und Eis einfach nicht ging und auch das Verletzungsrisiko zu hoch gewesen wäre.

Für viele fällt es in solchen Momenten schwer den inneren Schweinehund zu überwinden und sich auch bei Minustemperaturen ins Training zu begeben. Wie hast du es geschafft dich für so lange Zeit zu motivieren?
Motiviert hat auf jeden Fall dabei besonders die Hoffnung, dass wir im Frühjahr oder Sommer wieder langsam zur Normalität zurückkehren und auch vielleicht wieder Wettkämpfe machen können. Irgendwie ist es ja auch schön daran zu denken, dass sich all das, was man eben jetzt investiert, eben irgendwann einmal auszahlt. Es hat aber auch sehr geholfen, dass unsere Trainerin Petra Schenten immer wieder einen aktualisierten Plan geschickt hat. So hatte man eine Anleitung und auch ein schlechtes Gewissen, wenn man mal etwas nicht gemacht hat (lacht). Aber das Training macht ja grundsätzlich auch einfach Spaß. Natürlich sind einige Einheiten auch hart, aber es ist auch einfach schön seinem Hobby nachzukommen und ab und an etwas anderes als Uni im Kopf zu haben.

Gab es denn auch Momente, in denen du ans Aufgeben gedacht hast? In denen du gedacht hast: ‚Wofür mache ich das überhaupt?‘
Ehrlich gesagt: Davon gab es nicht viele. Aber hier muss ich auch noch einmal meine Mitbewohnerin lobend erwähnen (lacht). Mit ihr konnte ich mich immer gegenseitig motivieren. Wenn es allerdings in der Uni mal stressiger wurde, gab es schon ab und zu den Gedanken, warum ich mich jetzt eigentlich noch zum Training nach draußen bewege. Einfach war es nicht.

Wie findest du es, dass es für Kaderathleten unter strengen Maßnahmen weitergehen kann und der Amateurbereich ruht?
Ich freue mich im Großen und Ganzen für die Kaderathleten und finde es auch gut, dass diese weiter trainieren dürfen. Ich würde aber lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht ab und zu auch mal neidisch gewesen bin. Ich hätte mir doch manchmal gewünscht, dass es auch für diejenigen, die nicht im Kader sind mehr Möglichkeiten gäbe, weil für mich der Sport ja trotzdem eine sehr große Rolle spielt.

Freust du dich, wenn es bald wieder losgeht?
Ich freue mich riesig darauf und ich hoffe auch sehr, dass dadurch langsam wieder ein bisschen Normalität im Training einkehrt. Außerdem freue ich mich unglaublich auf meine Trainingsgruppe und kann es kaum abwarten, die Mädels wiederzusehen. Ich schaue auch deswegen täglich nach den aktuellen Inzidenzzahlen und fiebere dem „Re-Start“ entgegen.

Du hast gesagt, vor dem Lockdown war die 5000-Punkte-Marke dein Ziel. Wie sieht das nach dem Lockdown aus?
Sportlich gesehen lasse ich jetzt erstmal alles auf mich zukommen. Ich freue mich, oder hoffe, dass wir bald wieder in der Trainingsgruppe trainieren dürfen. Es ist aber natürlich schwer abzuschätzen, wie sich das noch weiterentwickelt, wann wir trainieren dürfen, wie potentielle Wettkämpfe aussehen und ob ich überhaupt eine „Late Season“ erlebe. Ich möchte eigentlich im August in die USA fliegen und dort ein Auslandsjahr im Rahmen meines Studiums machen. Aber das werden wir alles sehen.

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