Vom vergangenen Donnerstag bis Sonntag fanden in Dresden die mit Spannung erwarteten Deutschen Meisterschaften der Leichtathletik statt. Auch einige Adlerträger:innen reisten zu den Finals nach Sachsen, um im neu eröffneten Heinz-Steyer-Stadion an den Start zu gehen. Insgesamt 133 Deutsche Meistertitel in 20 Sportarten sind im Rahmen der Finals in Dresden vergeben worden, gleich mehrfach gingen dabei Medaillen an Athlet:innen mit dem Adler auf der Brust.
Mehr als nur eine Silbermedaille
Mehrkämpfer Andreas Bechmann erlebte in Dresden einen emotionalen Wettbewerb. Erstmals seit 2021 absolvierte der 25-Jährige einen kompletten Zehnkampf, in den letzten Jahren hatte Bechmann mit einer schwerwiegenden Achillessehnenverletzung zu kämpfen.
Die Rückkehr auf die Wettkampfbühne bei den Finals hätte dann kaum besser laufen können: Nach bemerkenswerten Leistungen in den Sprungdisziplinen sicherte sich der gebürtige Frankfurter mit 7579 Punkten die Silbermedaille. Die besondere Bedeutung des Wettkampfs war dem U23-Europameister von 2021 sichtlich anzusehen, im Ziel vergoss der von Rückschlägen geplagte Adlerträger Tränen der Freude und der Erleichterung.
Ich habe 1.514 Tage darauf gewartet. Vier Jahre, in denen ich alles gegeben habe.
Andreas Bechmann, Silbermedaillengewinner
„Wer den Wettkampf bis zum Ende gesehen hat, hat vielleicht gespürt, wie viel mir dieser Moment bedeutet“, berichtete Andreas Bechmann nach dem Wettkampf bewegt. „Ich habe 1.514 Tage darauf gewartet. Vier Jahre, in denen ich alles gegeben habe. Ich habe trainiert, gehofft, gelitten und oft auch gezweifelt. Dieser Wettkampf war für mich mehr als nur ein Start. Er war der Beweis, dass sich dranbleiben lohnt - selbst dann, wenn es manchmal aussichtslos erscheint.“
Darüber hinaus nutzt der Silbermedaillengewinner den Moment, um sich bei seinen Unterstützern zu bedanken. „Dass ich diesen Weg nicht allein gehen musste, ist mein größtes Glück“, so Bechmann. „Mein Trainer Jürgen Sammert hat mich in der schwersten Zeit sportlich und menschlich getragen. Meine Eltern waren immer da, genau wie meine Spezialtrainer Edgar Itt, mein medizinisches Team und die Eintracht. Sie alle haben nie aufgehört, an mich zu glauben. Auch dann nicht, wenn ich es selbst kaum noch konnte.“
Edelmetall in den Hürden
Auch Fred Isaac Fleurisson befindet sich normalerweise auf der Meldeliste im Zehnkampf, bei den Finals in Dresden griff der 22-Jährige aber die Spezialisten an und ging in den 110-Meter-Hürden an den Start. Das Nachwuchstalent zeigte einen herausragenden Wettkampf, blieb mit einer Saisonbestleistung von 13.92 Sekunden unter der 14-Sekunden-Marke und sprintete zu Bronze.
Dasselbe Kunststück gelang Hürdenspezialist Joshua Abuaku, der in den Hürden über 400 Meter antrat. Der WM-Finalist von 2023 unterstrich seine starke Verfassung, unterbot erneut die magischen 50 Sekunden und sicherte sich den dritten Podestplatz. Weiteres Edelmetall in den Laufdisziplinen wäre beinahe an Marvin Heinrich gewandert, über 1.500 Meter scheiterte der Eintrachtler mit dem vierten Rang aber denkbar knapp an den Medaillenrängen.
Kolbe läuft zu Gold
Bei den Frauen überragte über 800 Meter Smilla Kolbe. Die Adlerträgerin bestritt in Dresden ihr bereits 14. Saisonrennen über 800 Meter, von Ermüdung war jedoch keine Spur. Vom Start an führte die in den USA trainierende Kolbe das Feld an und war nicht mehr einzuholen. Nach 2:02,57 Minuten überquerte die formstarke Eintrachtlerin die Ziellinie und kürte sich zur Deutschen Meisterin.
Ich bin auf Wolke Sieben.
Smilla Kolbe, Deutsche Meisterin über 800 Meter
„Ich bin aktuell noch auf Wolke Sieben“, so Smilla Kolbe. „Ich habe noch nicht ganz realisiert, was gestern passiert ist. Meine ganze Familie war da und es war eine unfassbare Atmosphäre - das ist etwas, was ich die gesamte Saison noch nicht hatte. Das hat mir noch einmal einen Push gegeben. Ich freue mich unglaublich und bin richtig stolz, mit dem Adler auf der Brust den Titel geholt zu haben. Der Sieg krönt die gesamte Saison.“
Ich bin natürlich mega glücklich, nach dem EM-Titel auch den DM-Titel gewonnen zu haben.
Aileen Kuhn
Vereinskollegin Aileen Kuhn stach derweil im Hammerwurf hervor. Die frischgebackene U23-Europameisterin avancierte bereits im Vorfeld zur Titelanwärterin und zeigte einen weiteren bemerkenswerten Wettbewerb. Zum wiederholten Mal in dieser Saison überwarf Kuhn die 70 Meter, erzielte eine Weite von 70.92 Metern und gewann Gold. „Ich bin natürlich mega glücklich, nach dem EM-Titel auch den DM-Titel gewonnen zu haben“, so die neue Deutsche Meisterin. „Das war auf jeden Fall das Ziel. Ich bin sehr glücklich, dass es jetzt geklappt hat, weil jetzt natürlich auch viele Höhepunkte aufeinander gefolgt sind bei mir mit der EM, Universiade und DM. Gerade die letzte Woche nach der Universiade war körperlich und mental sehr hart für mich, deswegen bin ich umso glücklicher, am Ende auch noch mal einen Wurf über 70 Meter gezeigt haben zu können, auch wenn der Körper nicht bei 100 Prozent war.“
Doppelsieg im Hammerwurf
Aus Eintracht-Sicht kam es im Hammerwurf aber noch besser, auch die Silbermedaille ging an eine Adlerträgerin. Samantha Borutta, die Seriensiegerin der vergangenen Ausgaben, war auch in diesem Jahr ganz vorne mit dabei und durfte sich über den zweiten Platz freuen.
Starke U20-Staffel
Ein weiteres starkes Ergebnis gab es für die Eintracht in der Altersklasse U20 zu bejubeln. In der 4x400 Meter Staffel der Männer zeigte das Quartett aus Barowski, Schön, Wiegand und Krauss einen beeindruckenden Auftritt und belohnte sich mit einer Zeit von 3:18.85 Minuten mit der Silbermedaille. Die 4x400 Meter Staffel der U20-Frauen scheiterte derweil knapp am Edelmetall und landete auf einem dennoch starken vierten Platz.