19.02.2021

Titelhoffnungen für die Eintracht

Mit Marvin Heinrich und Marc Reuther stehen am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften zwei Aspiranten auf den Titel an der Startlinie.

Wie es sich anfühlt, ganz oben zu stehen, weiß er ganz genau: Marc Reuther. Der 800-Meter-Spezialist konnte sich bereits drei Mal zum Deutschen Meister krönen. An seinen ersten Titelgewinn wird sich der 24-Jährige dieser Tage besonders gern erinnern, denn seine erste nationale Goldmedaille holte Reuther ebenfalls unter dem Hallendach der Helmut-Körnig Halle in Dortmund, der Wettkampfstätte, in der auch die Meisterschaften am kommenden Wochenende ausgetragen werden.

Der erste Titel in der ersten Hallensaison

Bei diesem Rennen startete Reuther noch für seinen alten Verein, den Wiesbadener LV. Ebenfalls im Finale war sein damaliger Vereins- und Trainingskollege, sowie heutiger Adlerträger, Dennis Biederbick. Reuther ging damals als Favorit an den Start und setzte sich von Beginn an die Spitze. Der damals 22-Jährige dominierte das Rennen in allen Phasen und konnte sich schließlich in 1:48,39 Minuten den Titel vor Biederbick sichern. „Das ich nach 100 Metern schon vorne bin, war eigentlich gar nicht so geplant, da gibt’s dann aber auch kein Zurück mehr“, gestand er damals lachend im Interview.

Der Durchbruch in die Weltspitze gelang Reuther im vergangenen Winter. Mit 1:45,39 Minuten startete er beim Erfurt Indoor mit einer Weltklasse-Zeit, gleichbedeutend mit der Weltjahresbestleistung und der zweitschnellsten Zeit, die je ein deutscher Athlet gelaufen ist, in die Hallensaison. „Es war super zu sehen, dass man Teil der Weltspitze sein kann und die Leistungen kein Ausrutscher sind.“ Die Bestätigung der Weltklasse erhielt er beim PSD Bank Meeting in Düsseldorf, das ebenfalls mit einem starken Feld besetzt war. Unbeeindruckt ging er das Rennen an und ließ die Konkurrenz hinter sich. „In dem Moment ein unbeschreibliches Gefühl, zu sehen, dass man vorne mithalten kann und solche großen Wettkämpfe auch gewinnen kann“, erinnert sich der 24-Jährige zurück. Nach dem Jubelsturm von Düsseldorf folgte allerdings die Ernüchterung beim Wettkampf in Liévin. Bei einem Zweikampf stürzte Reuther und brach sich den Ellenbogen. Das Saisonaus.

Die Bestzeit

Doch auch dieser Rückschlag sollte Reuther im vergangenen Jahr nicht aus der Bahn bringen. Zwar musste er nach dem Ellenbogenbruch eine Zeit lang pausieren und seine Hallensaison vorzeitig beenden, doch in der Sommersaison meldete er sich in bestechender Form zurück. Seinen Einstieg gab Reuther bei den Deutschen Meisterschaften. Aufgrund der Corona-Pandemie und der dadurch gegebenen Umstände war eine Vorleistung in der Freiluft Saison nicht nötig. Reuther kontrollierte das Feld, sowohl im Vorlauf und Finale, und krönte sich mit einer Zeit von 1:46,97 Minuten zum dritten Mal in seiner Karriere zum Deutschen Meister. Das Highlight der Saison sollte allerdings wenige Zeit später folgen, denn der Adlerträger ging beim Diamond League Meeting in Monaco an den Start und durfte sich erneut mit der Weltspitze messen. Allen voran stand der amtierende Weltmeister aus Doha, Donovan Brazier. Reuther sortierte sich früh an der Spitze des Feldes ein und konnte das schnelle Tempo mitgehen. Der frischgebackene Deutsche Meister kam auf eine Zeit von 1:44,93 Minuten. „Es war ein superschöner Moment, einfach weil ich gemerkt habe, dass es sich gelohnt hat, mich nach dem Ellenbogenbruch zurückzukämpfen.“

Eine neue Bestleistung konnte der 24-Jährige in dieser Saison zwar noch nicht aufstellen, aber beim diesjährigen Erfurt Indoor kam Reuther auf eine Zeit von 1:46,21 Minuten und zeigte sich damit zufrieden. „Die Saison verlief bisher eigentlich ganz in Ordnung, es war jetzt noch nicht das ganz große Ding dabei, aber ich bin beständig auf einem hohen Niveau“, fasst der Adlerträger zusammen. Mit Freude und einer gesunden Portion Anspannung schaut er auf das kommende Wochenende. „Ich bin gewappnet und auch sehr gut vorbereitet“, so der Mittelstreckler. Die Ziele sind dabei klar: „Ich möchte natürlich meinen Titel aus dem Jahr 2018 in Dortmund wiederholen. Ich bin recht zuversichtlich und freue mich sehr auf die Meisterschaft.“

Heinrich reitet die Erfolgswelle

Mit Zuversicht auf die kommenden Titelkämpfe kann auch Marvin Heinrich schauen. Der 1500-Meter-Spezialist geht am kommenden Wochenende über seine Paradedisziplin ins Rennen. Dabei war die Entscheidung in diesem Jahr durchaus eine schwierige. Heinrich konnte in seinen bisherigen Wettkämpfen bereits mehrfach die EM-Norm unterbieten und das auf zwei verschiedenen Strecken. Seinen Saisoneinstieg absolvierte Heinrich über 800 Meter beim Einladungswettkampf des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) für Berufs- und Spitzensportler. Gemeinsam mit Trainingskollege Oskar Schwarzer (TV Groß-Gerau) führte er von Beginn an das Rennen an. Auf der Schlussrunde konnte sich der 1500-Meter-Spezialist allerdings deutlich absetzten und das Rennen in 1:47,32 für sich entscheiden. Eine neue persönliche Bestzeit und die erste EM-Norm für Heinrich. „Es war eine wirklich lange Vorbereitungsphase und wir haben hart und mit viel Training darauf hingearbeitet. Heute war es wie eine Belohnung für die harte Arbeit zu bekommen und ich bin super zufrieden mit dem Einstieg“, resümierte der Athlet von Bundestrainer Georg Schmidt nach dem Rennen.

Eine Woche später sollte die zweite EM-Norm folgen. Beim PSD Bank Meeting in Dortmund unterstrich Heinrich seine Topform und glänzte auch über seine Paradestrecke. Im etwas schwächeren B-Lauf enteilte er der Konkurrenz und konnte seinen Lauf deutlich in 3:40,93 Minuten gewinnen. Die zweite EM-Norm für Heinrich im zweiten Rennen der Saison. „Ich würde in dieser Saison sagen, dass sich das widerspiegelt, was ich auch trainiert habe. Wir haben wirklich viel gearbeitet“, betont der Eintrachtler. Am vergangenen Wochenende testete er erneut seine Form über die 800 Meter. Nach vier absolvierten Hallenrunden stoppte die Uhr bei einer Zeit von 1:47,09 Minuten. Die dritte Bestleistung und der dritte Sieg im dritten Rennen – aller guten Dinge sind eben drei. „Ich würde diese Saison bisher definitiv als meine erfolgreichste bezeichnen und es freut mich sehr, auch zeigen zu können, was ich geschafft habe“, resümiert der 24-Jährige.

Der Weg zum Erfolg

Der Grundstein liegt für ihn dabei besonders in der harten Arbeit und der engen Zusammenarbeit mit seinem Trainer Georg Schmidt. „Wir haben im Vorfeld dieser Saison viel gerätselt und viel besprochen, was wir anders machen können“, erzählt Heinrich. Das Duo arbeitet schon lange zusammen und gemeinsam haben beide immer wieder Höhen und Tiefen erlebt. „Wir kennen uns jetzt wirklich schon fünf Jahre und hatten immer wieder Saisons, in denen es zwischendrin nicht gut lief“, erinnert sich der Athlet. Doch in dieser Saison ist das anders – keine Spur von Tiefen. Das habe für ihn auch was mit der richtigen Einstellung zu tun: „Ich habe viel reflektiert, mich viel mit mir selbst beschäftigt und ich bin insgesamt entspannter geworden.“

Die Zusammenarbeit mit einem Mentaltraining hat außerdem dazu beigetragen, das richtige Mindset zu erlangen. „Ich bin momentan voll im Fokus und lasse mich durch nichts ablenken, das trägt Früchte.“ Dieser Erfolgskurs soll auch am Wochenende weitergehen. Zwar war die Entscheidung, über welche Strecke er überhaupt an den Start geht, keine einfache, schlussendlich habe er sich aber gemeinsam mit seinem Trainer für die 1500 Meter entschieden. „Hier sehen wir größere Chancen, um mich für die Europameisterschaft zu qualifizieren.“ Neben dieser Qualifikation ist aber auch der Titel das angestrebte Ziel, auch wenn die Konkurrenz hochkarätig ist. Der amtierende Deutsche Meister Marius Probst (TV Wattenscheid) und der ehemalige Eintrachtler, Homiyu Teafye (TSV Pfungstadt), werden es ihm sicherlich nicht einfach machen.

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